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Bei dem ersten Objektiv der Testreihe - dem 7artisans 55mm F1.4 - handelt es sich nicht um Altglas. Es geht um eine Neuentwicklung einer chinesischen Firma, die erst 2016 von 7 Photo Enthusiasten gegründet wurde.
Wenn man die Story auf der Webseite ließt (http://www.7artisans.com/en/h-col-196.html), hört sich das nach sehr viel Idealismus an.

Im Fuji-X Forum konnte ich bereits einige Praxiserfahrungen zu dem Objektiv finden (https://www.fuji-x-forum.de/topic/34643-7artisans-55mm-f14/).
Das hat mich neugierig genug gemacht, um ein Exemplar für meine Fuji zu bestellen und es auszuprobieren, obwohl ich bereits das Fuji XF 50 f2 und drei 50 1.4 Altglas Objektive besitze.

Mit ein Grund ist natürlich auch der Preis von etwas über 100€ gewesen. Vergleicht man es mal mit dem Samyang 50 1.2 AS, das ja ebenfalls manuell zu fokussieren ist, erhält man das 7artisans ungefähr für ein viertel des Preises.Von daher gesehen spielt es eher in der Liga Altglas. Stellt sich also die Frage: Wieviel Objektiv bekommt man heute für 100€?

Das äußeren Werte

Bei vielen günstigen Produkten, die in China und ähnlichen Ländern produziert wurden, habe ich gleich zu Beginn eine negative Erfahrung gemacht: Der starke Chemiegeruch. Er war meistens so unerträglich, dass die Sachen unmittelbar nach dem Auspacken wieder zurückgingen.

Nicht so bei dem 7artisans 55mm F1.4. Es kommt in einer versiegelten Pappschachtel und ist sicher in Schaumstoff eingebettet, der zwar etwas nach Chemie riecht, die aber nicht beim Objektiv ankommt. Das Ganze macht einen sehr professionellen Eindruck.

Aber eigentlich geht es ja nicht um die Verpackung, obwohl sie auch wichtig ist. Aber auch das Objektiv selbst macht einen sehr wertigen Eindruck. Es besitzt ein Bajonett aus Metall und auch sonst scheint es, als ob beim Material nicht gespart wurde. Auffällig ist auch die kompakte Größe für ein 55 F1.4. Das liegt wohl daran, dass man für spiegellose Systeme mit APS-C Sensor einfach kleiner bauen kann, weil sowohl Auflagemaß als auch Sensor kleiner als üblich sind. Hier mal ein Vergleich mit dem XF 50 f2, das für ein 50er auch schon sehr klein ist, aber nur eine Lichtstärke von f2 liefert:

 

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Unüblich ist an dem Objektiv auch die Einstellung der Entfernung und der Blende. Die Entfernung wird an dem hinteren Ring und die Blende an dem vorderen Ring eingestellt - also genau umgekehrt wie bei anderen Objektiven. Zudem besitzt die Blendeneinstellung keine Rastung, wie man es gewohnt ist. Das hat den Vorteil, dass das Objektiv auch für Videos genutzt werden kann, weil die Blende während des Filmens stufenlos verstellt werden kann. Nachteil ist allerdings, dass es schwierig ist eine bestimmte Blende genau einzustellen und dass diese sich leicht unbeabsichtigt wieder verstellt. So frage ich mich, ob man für Blende 2.8 auf die 2, den Punkt oder die 8 stellen muss. Auch die Tatsache, dass die Abstände zwischen den Einstellungen auf der Skala verschieden groß sind, erschwert das genaue Einstellen der Blende. So muss man beispielsweise von Blende f1.4 auf f2 ca 1cm drehen und von f4 auf f5.6 nur ca 3mm. Blende 11 fehlt (vermutlich aus diesem Grund) komplett auf der Skala.

Neben den üblichen Deckeln und einem Reinigungstuch wird noch ein kleines Gummiteil mitgeliefert, bei dem ich mich erstmal gefragt habe, wozu es dient. Es wird wohl irgendwie seitlich am Objektiv aufgeklebt, um Blende oder Entfernung einfacher zu verstellen. Ich habe mich für die Entfernung entschieden und das Teil auf der linken Seite des Rings aufgeklebt.

 

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Die technischen Werte

Diese sind auch auf der Webseite nachzulesen:

Brennweite 55mm
Blende f1.4 - f16
Linsen 6 in 5 Gruppen
Lammellen 14
Filtergewinde 49mm
Naheinstellung 0.35m
Gewicht 272g
Größe 53mm Durchmesser 55mm Länge


Was abgesehen von der geringen Größe auffällt, ist die geringe Naheinstellgrenze und die hohe Anzahl Blenden. Für mich beides wünschenswerte Features, die sich bei Altglas nur schwer finden lassen. Schon gar nicht in dieser Kombination.

Die Benutzung

Das Objektiv lässt sich sehr leicht an der Kamera anbringen und sitzt trotzdem fest. Hier wurde also sehr genau gearbeitet, was das Bajonett betrifft - zumindest was die Fuji-Variante angeht.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die vertauschte Position von Blenden- und Entfernungseinstellung. Am Anfang hab ich immer wieder daneben gegriffen und mich gefragt, warum ich nicht scharf stellen kann. Der Gummiadapter hilft jedoch dabei die Entfernungseinstellung zu finden und macht zudem die Fokussierung angenehmer. Mit seiner Hilfe lässt sich die Entfernung auch mal mit einem Finger einstellen.

Die Einstellung der Blende empfinde ich als einen Rückschritt. Ich habe mir angewöhnt bei manuellen Objektiven die Clicks zu zählen, wenn ich abblende, so dass ich die Blende einstellen kann, ohne die Kamera abzusetzen. Das ist hier nicht möglich. Hinzu kommt die Verstellung der Blende durch unbeabsichtigtes Berühren.

Ansonsten lassen sich beide Ringe angenehm geschmeidig drehen und haben nach meinem Gefühl den richtigen Widerstand.